Eine Tour mit Klima.Netzwerker Marcus Müller

Sein Arbeitsplatz ist der Regierungsbezirk Arnsberg, seine Berufsbezeichnung Klima.Netzwerker. Marcus Müller arbeitet seit 2012 für die EnergieAgentur.NRW und hilft im Auftrag des NRW-Klimaschutzministeriums vor Ort, die Energiewende auf den Weg zu bringen. "Ohne ihn, der ja einen ganz anderen Zugang zu Zielgruppen hat, würden wir manches so nicht erreicht haben, wie wir es bis heute erreicht haben", sagte der Regierungspräsident Dr. Gerd Bollermann bei der Einführung der Klima.NEtzwerker. Von seiner Beratungsleistung, Netzwerkarbeit und Initiative profitieren neben der Bezirksregierung auch die Kommunen, Unternehmen und andere Klimaakteure. Auf einer Tour durch den Regierungsbezirk gibt er Einblicke in seine Arbeit."


Hier lesen Sie ein Interview mit Marcus Müller über Südwestfalen und "Dorf ist Energie(klug)".

02.10.2014

Interview mit dem Klima.Netzwerker Marcus Müller

Hallo Herr Müller.

Hallo Herr Daub, ich freue mich, bei Ihnen zu sein!

Sie sind Klimanetzwerker – Erklären Sie uns doch einmal, was ist ein Klimanetzwerker und was ist Ihre Aufgabe?

Kurz gesagt bin ich regionaler Ansprechpartner der EnergieAgentur.NRW im Regierungsbezirk Arnsberg. Vielleicht vorweg: Die EnergieAgentur.NRW arbeitet im Auftrag des Klimaschutzministeriums NRW in den Bereichen Klimaschutz, Erneuerbare Energien und Energieeffizienz und hält ein großes Portfolio an Dienst- bzw. Unterstützungsleistungen für ihre Kunden (Kommunen, Unternehmen, Verbände, Institutionen) vor.
Für meine Tätigkeit als Klima.Netzwerker ergibt sich daraus schon ein komplexes  abwechslungsreiches und vor allem spannendes Aufgabenspektrum. Im Wesentlichen geht es darum, mit Akteuren der Region ins Gespräch zu kommen und Unterstützung anzubieten bzw. die Angebote der EnergieAgentur.NRW zu vermitteln – Netzwerken halt! Das kann die Unterstützung bei oder die Initiierung eigener Projekte sein, die Organisation von Workshops und Konferenzen oder die klassische Beratung bei Fragestellungen zum Klimaschutz. Natürlich arbeite ich nicht nur an Projekten aus der Region mit.
Vielmehr liefert die EnergieAgentur.NRW eine Vielzahl eigener Projektideen und Kampagnen. Hier schaue ich, welche Inhalte sich in der Region umsetzen lassen, suche mir Projektpartner – und los geht`s!
Als Beispiel meiner Arbeit kann ich an dieser Stelle drei aktuelle Projekte nenne an denen ich gerade arbeite.
Im vergangenen Jahr sind wir gemeinsam mit der Bezirksregierung Arnsberg in Südwestfalen unterwegs gewesen und haben den „European Energy Award (eea)“, ein Qualitätsmanagementsystem für nachhaltige Energie- und Klimapolitik in Kommunen, vorgestellt. Mit Erfolg! Neben einigen neuen Kommunen aus Südwestfalen nehmen nun auch der Kreis Soest und der Hochsauerlandkreis am eea teil.
Mit den Städten Arnsberg und Lüdenscheid habe ich das „klimanetzwerk.südwestfalen“ gegründet, eine Plattform für den kommunalen Austausch zu klimaschutzrelevanten Fragestellungen. Hier laden wir regelmäßig zu Gesprächsrunden ein und diskutieren mit Referenten aktuelle Themenstellungen. Wir arbeiten dabei eng mit den Kommunen zusammen und schauen, wo gerade „der Schuh drückt“ und welches Thema interessiert.
Beim Projekt „Green Club Index“ geht es um Energieeffizienz in Clubs und Discotheken. Hier betreue ich die regionale Umsetzung in Dortmund und bin derzeit auch mit der Stadt Bochum im Gespräch. Man glaubt gar nicht, wieviel Einsparpotential es gerade in diesem Bereich gibt. Ein erfolgreiches Pilotprojekt 2011 mit Clubs aus ganz NRW hat dies gezeigt und hat zu der Entscheidung geführt, das Projekt in die Fläche zu bringen.
Sie sehen, es handelt sich um ein breites Spektrum an Inhalten und Tätigkeiten. Aber gerade das ist es, was den Reiz des „Klima-Netzwerkens“ ausmacht.


Wie sind Sie Klimanetzwerker geworden?

Im Rahmen des KlimaschutzStartProgramms des Ministeriums für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur und Verbraucherschutz (MKULNV) wurde 2011 festgelegt, so genannte regionale „Kümmerer“ in die Regierungsbezirke zu entsenden, um dort den Akteuren bei ihren Klimaschutzaktivitäten hilfreich zur Seite zu stehen. Diese  Klima.Netzwerker sollten bei der EnergieAgentur.NRW angesiedelt sein.
Gleichzeitig hat sich die Bezirksregierung Arnsberg als erste Bezirksregierung überhaupt auf den Weg gemacht, sich dem Thema Klimaschutz und Erneuerbare Energien zu öffnen und 2011 eine Studie zu den Potentialen Erneuerbarer Energien im Regierungsbezirk Arnsberg veröffentlicht. Die Bezirksregierung hat als Resultat aus dieser Studie mehrere Maßnahmen auf den Weg gebracht, u. a. die Einrichtung einer „Energiekommission“ im Regionalrat und Bildung einer „Projektgruppe Erneuerbare Energien“ und sich seitens des Klimaschutzministeriums Unterstützung gewünscht. Wenn Sie so wollen, ist die Idee des Klima.Netzwerkers also ein Ergebnis der Klimaschutzbemühungen des Landes NRW und der Bezirksregierung Arnsberg.
Als „Modellprojekt“ bin ich dann 2012 zur EnergieAgentur.NRW gekommen und habe mein Büro im Hause der BRA am Standort Dortmund bezogen. Dort, im ehemaligen Landesoberbergamt, ist die Abteilung Bergbau und Energie angesiedelt und die „Projektgruppe Erneuerbare Energien“, mit der ich von Beginn an eng vernetzt arbeite.
So kann man sagen, dass  in Dortmund die fossilen Energien, nämlich der Bergbau, und neue Energieformen bzw. der Klimaschutz zueinanderfinden. Eine spannende und zugleich fruchtbare Zusammenarbeit.

 
Wie sieht denn bei Ihnen ein ganz „normaler“ Tagesablauf aus?

Von einem normalen Tagesablauf bei der Netzwerktätigkeit zu sprechen ist eher schwierig. Es gibt Tage, da unterscheidet sich meine Tätigkeit sicherlich nicht von der „anderer“ Menschen, welche einen Bürojob haben. E-Mails checken, Telefonate führen usw. Gerade in der Ferienzeit bin ich häufiger im Büro anzutreffen. In dieser eher ruhigeren Phase hat man dann auch schon mal Zeit, Dinge nachzuarbeiten und sich intensiver mit wichtigen Inhalten auseinanderzusetzen.
Ansonsten bin ich das Jahr über sehr viel mit dem Auto im Regierungsbezirk unterwegs, spreche mit Vertretern von Unternehmen und Kommunen, Verbänden und Institutionen, bereite Veranstaltungen vor, moderiere oder halte Vorträge zu den unterschiedlichsten Themen.

    
Sie sind also viel in Südwestfalen unterwegs. Was schätzen Sie besonders an der Region Südwestfalen?

Als gebürtiger Hagener bin ich ja sozusagen am Rande Südwestfalens aufgewachsen und kenne die Region schon länger. Aber erst durch meine Tätigkeit ist mir wirklich bewusst geworden, welche Reize Südwestfalen vorhält. Was mich als Naturmensch begeistert, ist die Schönheit und Abwechslung der Landschaft. Als gelerntem Geographen mit einem persönlichen Interesse an Stadtplanung und Stadtentwicklung geht mir beim Anblick der vielfach vorhandenen alten Stadtquartiere und Dörfer Südwestfalens einfach das Herz auf. Nicht zuletzt die Freundlichkeit und Offenheit der Menschen und deren offenkundige Heimatliebe sorgen dafür, dass mir meine Tätigkeit viel Spaß bereitet.

Welche Zielrichtung verfolgen Sie als Klimanetzwerker?

Auf den Punkt gebracht: Klimaschutz für alle und mit allen! So plakativ würde ich das auf den Punkt bringen!

Wo sehen Sie die Potentiale und Chancen des Projektes „Dorf ist Energie(klug)“?

Das Projekt „Dorf ist Energie(klug)“ ist aus meiner Sicht ein für die Region Südwestfalen maßgeschneiderter Ansatz, bringt es doch nicht nur die regionalen, südwestfälischen „Player“ wie die Verantwortlichen der Kreise oder die Südwestfalenagentur, sondern darüber hinaus die überregionalen Ansprechpartner von Bezirksregierung Arnsberg und EnergieAgentur.NRW an einen Tisch. Besonders schätze ich an der Projektgruppe, dass Sie gut harmoniert und die Stärken jedes Einzelnen in das Projekt einfließen können. Das kann sich nur positiv auf das Projekt auswirken.
Die weitreichende Erfahrung der Südwestfalenagentur im Umgang mit ländlichen Strukturen, ihre Verankerung in der Region über die REGIONALE 2013 und der gute Kontakt zur Dorfbevölkerung sind ein weiterer Garant für ein für eine erfolgreiche Umsetzung.
Die Anzahl der Bewerbungen aus den Dörfern und die sehr gute Resonanz bei den Auftaktveranstaltungen zu „Dorf ist Energie(klug)“ haben gezeigt, dass das Interesse an Energiewende und Klimaschutz in Südwestfalen bei den Menschen groß ist. Vielfach fehlt es aber an Möglichkeiten der Umsetzung oder ganz einfach an den personellen Kapazitäten oder dem Wissen zur Umsetzung. Hier setzt das Projekt an. Die Begleitung der Dörfer durch sogenannte Kompetenzteams, also Experten, ist das A und O von „Dorf ist Energie(klug“).
Die aus dem Projekt gewonnenen Kenntnisse und Best-Practice-Beispiele sollen später in der Region Nachahmer finden.

    
Wie können sich Bürger aus Südwestfalen in Ihre Arbeit einbringen? Wie können Bürger mit anpacken?

Die Energiewende in Südwestfalen, das gilt natürlich auch für andere Regionen in Deutschland, lebt ganz klar vom Engagement der Bürgerinnen und Bürger. Nicht zufällig reden wir von dezentraler Energiewende - und diese ist doch schon in vollem Gange! Viele Menschen haben erkannt, dass der Umstieg auf Erneuerbare Energien bzw. die Beschäftigung mit dem Thema der richtige Weg in eine nachhaltige Zukunft ist und man seinen eigenen Beitrag zum Gelingen bringen muss! Es gibt viele Möglichkeiten bei der Energiewende vor Ort mitzumachen. Ein Beispiel ist ja gerade das Projekt „Dorf ist Energie(klug)“ bei dem die Südwestfalenagentur mit den Projektpartnern die Bürgerinnen und Bürger in den Dörfern anspricht und fördern möchte. Es gibt viele weitere gute Beispiele wie die zahlreichen Bioenergiedörfer und Energiegenossenschaften in Südwestfalen. Alles Initiativen von Bürgern, die die Energiewende in die Hand genommen haben.
Meine Rolle dabei ist es, die Möglichkeiten zu erkennen, Initiativen ein Stück weit zu unterstützen und Beratungsleistungen anzubieten. Gerade in der Startphase benötigen viele Projektansätze erst einmal professionelle Begleitung, die wir als EnergieAgentur.NRW anbieten – und das kostenlos!

Was muss Ihrer Meinung nach passieren, damit Klimaschutz einfacher gelingen kann? Welche Hemmnisse müssen ausgeräumt werden?

Meine Eindrücke, die ich in den vergangenen 2 1/2 Jahre gewonnen habe, sind, dass sich gerade in Südwestfalen einiges tut und wir alle, ob Kommunen, Wirtschaft, Wissenschaft, Institutionen sowie die Bürgerinnen und Bürger auf einem guten Weg sind.
Schön wäre es allerdings, wenn dies auch von allen Seiten erkannt werden würde und nicht immer nur die negativen Aspekte der Energiewende in den Vordergrund gestellt würden. Das kann natürlich abschrecken!
Wichtig ist es, die Nöte und auch Ängste, die es durchaus bei der Umsetzung der Energiewende gibt und für die ich auch vollstes Verständnis habe, in den Blick zu nehmen und nicht drüber hinwegzusehen, sondern aktiv mit den Akteuren vor Ort den Dialog zu suchen.


Ich würde mich persönlich freuen, wenn man mit mehr Zuversicht den unumkehrbaren Weg der Energiewende gehen würde und die vielfach noch vorhandene Skepsis endlich über Bord werfen könnte.
Die Energiewende ist ein Generationen-Projekt, welches Visionen, Tatkraft und gute Ideen braucht. und einen Lobbyismus für den Klimaschutz und eine neue Energieversorgung. Den Umbau eines kompletten Energiesystems schafft man nicht in kurzer Zeit. Daran sollten wir alle denken!
Die zahlreichen Gespräche mit Fachleuten aber auch mit Bürgerinnen und Bürgern, die ich Tag für Tag in der Region führe, stimmen mich allerdings zuversichtlich, dass uns das gelingen wird.

Vielen Dank für das Interview.

...........................................................................................................................................................
Ansprechpartner/Kontakt
Marcus Müller
EnergieAgentur.NRW
Mobil: 0152 22967962
Fax: 0202 24552 – 30
c/o Bezirksregierung Arnsberg
Goebenstraße 25
44135 Dortmund
E-Mail: marcus.mueller@get-your-addresses-elsewhere.energieagentur.nrw.de

Internetpräsenz
www.klimanetzwerker.nrw.de/?page_id=7

21.08.2014