Standort
Das denkmalgeschützte Lohgerberhaus von 1790 befindet sich in der Stadtmitte von Balve in der Nachbarschaft des Rathauses. Balve ist eine Kleinstadt im Hönnetal mit 11.500 Einwohnern, bekannt durch Balve Optimum - (Deutsche Meisterschaften Springen und Dressur) und die Balver Höhle, Fundort von Mammuts. Balve liegt im Märkischen Kreis in Südwestfalen.

Projektbeschreibung
Das Lohgerberhaus wird seit ca. vier Jahren für Ferienwohnungen genutzt und eine energetische Sanierung wurde notwendig. Aufgrund denkmalschützerischer Auflagen musste auf eine Außenisolierung des Hauses und den Einbau von Solarzellen verzichtet werden. Das Augenmerk richtete sich deshalb auf die energetische Grundversorgung. Die vorhandenen ca. 25 Jahre alten Gasthermen mit Abgasführung über die Außenwände sowie eine Nachtspeicherheizung in der Dachwohnung waren nicht mehr ausreichend ausfallsicher und unter energetischen Gesichtspunkten erneuerungsbedürftig. Ein Ersatz der Gasthermen wäre nur mit zentraler Abgasführung über den Kamin genehmigt worden, die aber tief in die Struktur des Fachwerkhauses eingegriffen hätte.
Vor diesem Hintergrund wurde eine zentrale Lösung angedacht, für die ein trockener Kellerraum guten Platz bot. Eine erschütterungsfreie Möglichkeit zur Aufstellung der Anlage legte den Gedanken an ein Blockheizkraftwerk nahe. Kritisch wurde die Effizienzfrage betrachtet, da Ferienwohnungen bekanntlich nicht kontinuierlich belegt sind und eine kontinuierliche Wärmeabnahme - insbesondere im Sommer - nicht möglich ist. Als positiv wurde die ruhige Arbeitsweise der Brennstoffzelle angesehen, die in Verbindung mit einer effizienten zentralen Heizanlage einem anspruchsvollen Ferienhaus-Projekt angemessen ist.
Nach Kontaktaufnahme zu verschiedenen Anbietern wurde die Teilnahme am europäischen Feldversuch ene.field ins Auge gefasst (80 Teilnehmer in Deutschland). Von Fa. Vaillant kam das Angebot zur Aufstellung einer SOFC-Brennstoffzelle mit einer elektrischen Nennleistung von 1 KW bei einer Heizleistung von 2 KW (Hersteller: Staxera).
Die Brennstoffzelle hat ihre Funktion nach dem Hochfahren am 10. Juli einwandfrei gestartet. Die Wärmeversorgung im Haus ist nach Fertigstellung der Anlage spürbar besser. Mit Beseitigung der dezentralen wohnungsbezogenen Messeinheiten aus der Zeit der festen Vermietung konnten vier Strom- und vier Gaszähler abgemeldet werden. Der Bezug des zusätzlichen Stroms für Spitzenlasten erfolgt nun ausschließlich über "Naturstrom".
Der Feldversuch läuft über drei Jahre unter kontinuierlicher Beobachtung der Leistungsdaten. Nach Ablauf des Testzeitraums wird die Brennstoffzelle kostenlos gegen ein konventionelles BHKW oder - bei Bewährung - gegen eine neue Brennstoffzelle ausgetauscht. Ziel des Projekts ist die Entwicklung der Brennstoffzelle unter Praxisbedingungen zur Serienreife im Langzeitversuch. Die Brennstoffzelle ist mit 1 KW elektrischer Leistung wesentlich besser auf die energetische Grundversorgung von Zwei- und Mehrfamilienhäusern abgestellt als frühere Versuche.
Eine Erweiterung der Anlage zur parallelen energetischen Versorgung des Nachbarhauses Alte Gerichtsstraße 9 (Ferienwohnungen und Sitz der Balver Polizeiwache) ist in Planung. Sie erfordert allerdings einen Durchstich der Straße, welcher noch nicht genehmigt ist.

Energetisches Konzept
Betrieben wird die Brennstoffzelle mit Gas, das zu Wasserstoff reformiert wird. Vaillant setzt mit dem aktuellen Prototypen auf die SOFC-Technik. Die Abkürzung SOFC steht für “Solid Oxide Fuel Cell”, wobei diese Zellen im deutschsprachigen Raum auch als “Festoxid-Brennstoffzellen” bezeichnet werden. Die SOFC gehören zur Kategorie der Hochtemperatur-Brennstoffzellen, welche bei einer Betriebstemperatur von 650 bis 1.000 °C arbeiten. Diese hohen Temperaturen ermöglichen im Gegensatz zu PEM-Brennstoffzellen die Verwertung von Erdgas ohne aufwändiges Reforming. Das Reforming von Erdgas zu Wasserstoff und Kohlenmonoxid findet dank der hohen Betriebstemperaturen direkt in der Brennstoffzelle statt, zusammen mit der eigentlichen elektrochemischen Reaktion zur Stromerzeugung.

Eingesetzte Technologie
    ⁃    SOFC-Brennstoffzelle

Zeitverlauf
    ⁃    Ende 2013: Beginn der Planung
    ⁃    Juli 2014: Hochfahren der Brennstoffzelle, Beginn des Feldversuchs
    ⁃    Juli 2017: Ende des Feldversuchs, Bericht

Projektbeteiligte
    ⁃    Fa. Vaillant
    ⁃    Fa. Kleinschmidt, Arnsberg (zentrale Anlage: Brennstoffzelle, Speicher etc.)
    ⁃    Fa. Schäfer Installation, Balve (dezentrale Anlage, Heizsysteme, Wärmetauscher)

Ansprechpartner/Kontakt
Lohgerberhaus Ferienwohnungen
Adalbert Allhoff-Cramer
Alte Gerichtsstraße 10
58802 Balve
Tel.: 02375 / 2201 (Herr Justin, Balve)
Mobil: 0174 / 215 4757 (Adalbert Allhoff-Cramer, Heidelberg)
E-Mail: info[at]fewo-mammut.de

Internetpräsenz
www.fewo-mammut.de

http://enefield.eu/partners/vaillant-2/